Grafenwöhr. (mbi) Das Schloß zu Grafenwöhr und die Burganlage gibt es heute leider nicht mehr. Jedoch stolz könne man auf das zweitälteste Rathausgebäude der Oberpfalz sein, so Historiker Olaf Meiler bei der diesjährigen historischen Stadtführung durch Grafenwöhr. Auch die Sage vom „goldenen Sarg am Annaberg“ durfte dabei natürlich nicht fehlen.
Zu einer besonderen Stadtführung lud der Heimatverein zum Abschluss des Museumswochenendes ein. Am Sonntagnachmittag brachte Historiker Olaf Meiler die Geschichte Grafenwöhrs ein wenig näher. Wohl aufgrund des überraschend kalten Wetters und des daraufhin abgesagten Familiennachmittages im Kastenhausinnenhof fanden sich leider nur wenige interessierte Zuhörer zu diesem informativen Spaziergang ein. Dieser Umstand erlaubte es Historiker Olaf Meiler jedoch, der kleinen Gruppe zahlreiche Gebäude, Örtlichkeiten und Anekdoten rund um den Kern der Altstadt ausführlicher erklären zu können. Angefangen vom Kastenhaus über das Untere Tor zum zweitältesten Rathaus der Oberpfalz ziehend, wusste Meiler über fast jedes noch bestehende Gebäude quer durch die Zeitskala der Geschichte führend, etwas zu berichten. Er erläuterte das früher in Grafenwöhr untergebrachte Pflegamt, was heutzutage mit einem Mini-Landratsamt zu vergleichen wäre. Der Hinweis auf ein bereits im 18. Jahrhundert eingerichtetes Kasernengebäude durfte den Zuhörern bis dato auch noch gänzlich unbekannt gewesen sein. Auf dem „unteren und oberen Markt“ wurde die Gründungsgeschichte und die Namensfindung der Stadt erläutert. Umgeben vom Thumbach und der Creussen lag das frühere Örtchen fast wie auf einer Insel. Diese Lage soll auch der Stadtbrunnen vor dem Rathaus mit seiner Skulptur widerspiegeln. Die Pestsäule erinnert heute noch an ein nicht ganz so schönes Kapitel der Stadtchronik. Nach einem Besuch in der Pfarrkirche staunten die Besucher über die noch sehr gut erhaltene Stadtmauer hinterm Creußentürl. Über das Obere Tor ging es hinauf auf den Calvarienberg, der erst viel später den Namen „Annaberg“ erhielt. Meiler wies auf den vermutlichen Standplatz der früheren Burganlage, auf der jetzt die Annabergkirche wohl steht. Nun war der passende Zeitpunkt für die Sage vom goldenen Sarg. Der Geschichte nach, trieb ein räuberischer Ritter gar fürchterliches Unwesen Nach dessen Tod wurde der finstere Gesell in einem goldenen Sarg beigesetzt und spukt seither zur Geisterstunde auf seinem Pferd über dem Annaberg. Tatsächlich machte sich schon der eine oder andere auf, den goldenen Sarg auf dem Annaberg zu suchen, leider bislang erfolglos. Auf dem Rundgang wurde die schön gepflegte Anlage der Lourdes-Grotte aus dem Jahre 1896 erläutert. Vorbei an der ehemaligen Löwenbrauerei kam die Truppe zurück zum Grafenwöhrer Schloß mit Schlosshof und –weiher. Und wo war nun dies alles? Heute ist es besser bekannt als „Stadtweiher“. Das Schloß stand vermutlich auf dem Platz, auf dem sich nun die Militärabteilung des 1. Oberpfälzer Kultur- und Militärmuseums befindet. Der Spaziergang führte die Gruppe abschließend zum Friedhof mit der Kirche St. Ursula. Entlang der Neuen Amberger Strasse verwies Meiler auf zwei damals vorhandene städtische Hirthäuser, deren Betreiber hauptamtlich als Schafhirten von der Stadt beschäftigt wurden und die dort ihre „Dienstwohnung“ hatten. Ausgestattet mit zahlreichen interessanten Informationen betrachten die Teilnehmer ihre Stadt nun sicherlich mit ganz anderen Augen.


