Grafenwöhr (mbi). Die Sage „Vom Goldenen Sarg auf dem Annaberg“ stammt sicherlich nicht von Franz Xaver Schönwerth, betonte Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm. Doch ohne Schönwerth würde es sie vermutlich auch nicht geben!

Zum Vortrag „100 Jahre Truppenübungsplatz im Spiegel von Schönwerthsagen“ lud der Heimatverein am Freitagabend in das 1. Oberpfälzer Kultur- und Heimatmuseum ein. Vorsitzender Wilhelm Buchfelder begrüßte als Referentin Kreisheimatpflegerin Leonore Böhm. Der Geburtstag des wohl bekanntesten Oberpfälzer Volkskundlers Franz Xaver Schönwerth jährt sich heuer zum 200. Mal. Der in Amberg geborene königliche Ministerialrat erforschte bis zu seinem Tod im Jahre 1886 das Leben der Oberpfälzer Bevölkerung. Zahlreiche Sagen, Märchen, Schwänke, Kinderspiele, -reime, -lieder sowie Sprichwörter wurden von ihm für die Nachwelt aufgeschrieben. In den Jahren 1857 bis 1859 erschienen seine drei Bände „Sitten und Sagen der Oberpfalz“. In diesen Aufzeichnungen kam die Sage vom Goldenen Sarg auf dem Annaberg nicht vor! Trotzdem, so vermutete die Referentin, war Schönwerth indirekt an dieser Grafenwöhrer Erzählung beteiligt. Die Kreisheimatpflegerin verwies auf die von Hermann Schenkl verfasste Chronik der Stadt. Unter anderem schrieb er: „Im Volke lebt die Erinnerung an die ehemalige Burg auf dem Annaberg weiter in der Sage von reichen Schätzen und einem goldenen Sarg“. In dieser Sage erzählt Schenkl, dass sich auf dem Annaberg nahe bei Grafenwöhr eine stattliche Burg im Besitz des Landgrafen von Leuchtenberg befand. Dieser unterdrückte sein Volk und war ein maßloser Verschwender. Auch nach seinem Ende wollte er nicht vom Prunk ablassen. Er bestimmte, ihn in einem goldenen Sarg beizusetzen. Zur Strafe muss er nun um Mitternacht aus seinem goldenen Grabgehäuse heraus und zu Pferd die Runde machen. Eines Tages soll ein Sonntagskind den goldenen Totenschrein im Annaberg finden und ihm die ewige Ruhe schenken. Diese Sage erschien in Grafenwöhr erstmals im Jahre 1934, geschrieben von Hermann Schenkl unter dem Titel „Vorbei,Verloren!“ Schönwerth verfasste ein sehr ähnlich klingendes Werk bereits 1858! Hier war auch der Landgraf von Leuchtenberg , der den Pfrentschweiher graben ließ, ruhelos hoch zu Ross unterwegs. „Bald war es der Graf selbst, bald nur sein Schatten oder sein Hund. Hinterher lief der Teufel und schlug mit schweren Eisenketten um sich, dass Glieder oft sechs bis acht Pfund schwer, davonflogen.“ Weitere Schönwerth-Sagen finden sich in Schenkl´s Aufzeichnungen wieder. Vermutlich, so Böhm, gaben Schönwerth´s „Sitten und Sagen aus der Oberpfalz“ in gewissem Maße eine gute Vorlage zu der später verfassten Grafenwöhrer Sage. Auch von unterirdischen Gängen vom Annaberg bis zur Stadt wurde von Schenkl berichtet. „Darf man dem Volke glauben, so ist die ganze Oberpfalz von Gängen unterminiert. Ritter sollen es gewesen sein, die solche anlegten“, so überlieferte Franz Xaver Schönwerth. Rund um den Annaberg hielten sich über die Jahre hartnäckig Begriffe wie, Galgen, Grab, Gruft, Gang, Keller oder Kirche, die geradezu nach einer Sage schrieen, so Böhm. Bis heute: Gruft ja, Sarg nein! Bereits 1926 wurde im Waldlustsaal bei der Übergabe des Manuskripts der Schenkl-Chronik das Gedicht vom Goldenen Sarg vorgetragen. Gedicht und Sage von Schenkl ja, Sarg Nein! Natürlich machten sich nach der Veröffentlichung der Sage um einen Goldschatz auf dem Annaberg auch zahlreiche „Schatzjäger“ auf die Suche. Im Jahr 1933 wurde ein Wünschelrutengänger, leider erfolglos, mit der Suche betraut. Um 1940 schrieb Hermann Schenkl im zweiten, unveröffentlichten Teil seiner Chronik: „Auf dem Annaberg stieß man bei Grabungen vor einigen Jahren auf die Grundmauern eines größeren Gebäudes, die wahrscheinlich als die Fundamente der früher hier gestandenen Burg anzusehen sind“. Ein weiteres Mal entdeckte man bei der Anlage von Luftschächten für die Luftschutzkeller unterirdische Räume, aber wieder nichts von Schatz und Sarg. 1993 ging es in der Schule in Heimatkunde auch um das Thema „Annaberg“. Die neugierigen Schüler beschlossen, Bürgermeister Helmuth Wächter um Erlaubnis zu fragen, selbst am Annaberg Ausgrabungen unternehmen zu dürfen. Neben Bürgermeister Wächter war auch Historiker Olaf Meiler und Maurermeister Georg Brunner anwesend. Brunner, der selbst bei Nachforschungen ein Tür- oder Fenstergewände und sauber gemachtes Mauerwerk fand, zeigte den Schülern die damalige Ausgrabungsstätte. Doch leider fanden auch sie keinen goldenen Sarg. Vielleicht nimmt aber das Landesdenkmalamt nochmals die Fährte auf. Wir zählen auf Sie!, so Böhm am Ende ihres Vortages. Grabung ja, Sarg?

 

 

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