18.02.2021

Wasserkraft und Holz verhalfen der Oberpfalz im Mittelalter zu wirtschaftlichem Wachstum. Reiches Erzvorkommen, dichte Wälder und kräftige Flüsse machten die Oberpfalz zum „Ruhrgebiet des Mittelalters“. Von der längst vergangenen Blütezeit erzählen die nächsten Grafenwöhrer G’schichterler.

Das Hammerwerk „Gemünd“ wurde erstmalig 1334 urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich durch den Zusammenfluss von Haidenaab und Creußen von „Gemünde“, also „Ort an einer Flussmündung“ ab. Das Dorf teilt sich in Hammergmünd, Dorfgmünd und Bruckendorfgmünd, wobei Erstgenanntes mit dem Hammerwerk und Hammergut der älteste Ortsteil ist. Bis 1367 sind Muracher als Besitzer überliefert, von 1371 bis 1713 ist viele Jahrhunderte lang Familie Mendel Besitzer von Gut und Hammer Gmünd. Die Nürnberger Familie hatte bereits die Hammerwerke in Hütten und Steinfels inne. Im 15. Jahrhundert begründete sich von Steinfels aus die Gmünder Mendel-Linie. Das Schloss von Gmünd wird 1465 erstmals in einem Lehensbrief für Hannes Mendel, Hammermeister zu Gmünd, genannt.

Nur das Beste: der Schienhammer
Gmünd war ein Schi(e)nhammer, der im Gegensatz zu Blechhämmern hochwertige Waren herstellte. Hier wurde in einem Zrennherd Erz geschmolzen, ein Schaufelrad bewegte die Blasebälge. Schinhammer wurden so genannt, weil der Schmied das Eisen in eine schienähnliche Gestalt brachte. Das von der Haidenaab angetriebene Wasserrad ließ die großen Hämmer heben und fallen bis zur Stilllegung 1613 mangels Rentabilität. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist überliefert, dass der Hammer zu Gmünd öd und wüst liegt.

Neuanfang mit moderner Technik
Nach dem Weggang der Familie Mendel 1713 nahm Johann Heinrich von Schlammersdorf zwei Jahre später Gmünd in Besitz und führte die Eisenverarbeitung mit Hochofen, Hammerschmieden und zahlreichen Beschäftigten fort. Im damals neuartigen Hochofen arbeiteten zwei Erz- und Kohlenaufgeber und unten zwei Former. Die Arbeiter wechselten sich alle zwölf Stunden ab. Das gewonnene Roheisen wurde im Frischfeuer schließlich zu Wagenreifen und Hufeisen verarbeitet.

Erneuter Niedergang und Aufschwung
Trotz Aufschwung wechselten die Besitzer häufig. Durch Erbschaften und Verheiratung gelangte Hammergmünd schließlich 1836 in die Hände der Familie Ignatz Schuster von Lichtenfels, die mehrere Generationen in Gmünd war. Damals wird das Hammerwerk erneut als brachliegend beschrieben. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Weiden – Bayreuth 1863 kam ausländisches Erz ins Land, die Holzpreise
stiegen und das Hammerwerk wurde aufgelassen. Stattdessen baute Baptist Schuster 1866 ein Glasschleif- und Polierwerk, 1880 eine Spiritusbrennerei und wandelte die Ödungen zu Wiesenland um. Er sanierte die landwirtschaftlichen Gebäude und verhalf Hammergmünd kurzzeitig zu neuer Blüte. Ab 1903 veräußerten seine Söhne Karl und Franz Vieh und Ländereien, der Besitz wurde 1908 versteigert. Schließlich kaufte der erste General des Truppenübungsplatzes Oskar Menzel 1918 das Hammerschloss. Er lebte bereits seit 1912 bis zu seinem Tod 1930 darin. 1939 erwarb die Stadt Weiden das
Hammergut Gmünd und übergab es ab 1949 dem Bayerischen Roten Kreuz. Von 1960 bis 1987 wurde das Hammerschloss als Seniorenwohnheim genutzt und erhielt einen Anbau. Dieser wurde wieder rückgebaut und das Seniorenheim in einem Neubau untergebracht. Das alte Hammerschloss ist heute in Privatbesitz.

Vorzeitliches Fundstück
Ein besonderes historisches Fundstück wurde 1964 bei den Rotkreuz-Weihern zwischen Gmünd und Hütten entdeckt. Es handelt sich dabei um ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit. Eine Replik davon ist im Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr ausgestellt.

 

 

            

 

         

 

 

 

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