23.02.2021

Viele Namen, ein Anwesen
Die Einöde Nagelschmiede oder auch Schinnermühle lag nordwestlich von Hütten, gehörte aber zur Gemeinde Gmünd. Heute ist sie vollständig aufgelassen. Gegenüber der Straße liegt der Pfarrweiher, der durch den aufgestauten Wurzenbach entstanden war. Der Name bzw. Hausname des Anwesens wechselte häufig nach seiner Funktion oder seiner Besitzer. Die verschiedenen Nutzungen haben sich auch in Flurbezeichnungen oder auf Landkarten rund um die Nagelschmiede erhalten, so z.B. Hammerschmiedwiesen, Spiegelschleife, Weiherhaus oder Polierhaus.

Ein Haus mit vielen Facetten
Bis 1808 war ein Michael von Thoma auf dem Gehöft, ab dann ein Joseph Sturm, der als Polier bezeichnet wurde und rund 30 Jahre später als Nagelschmid. Zu dieser Zeit war auch der Name „Sturmmühle“ gebräuchlich. 1812 wurde das Haus als ein halb gemauertes Wohnhaus mit der realen Nagelschmidsgerechtigkeit beschrieben, also dem Recht Eisennägel zu schmieden. Als Ortsbezeichnung wurde Polier genannt, ein Hinweis auf das Polierwerk des Vorbesitzers. Bei der Volkszählung von 1840 sind 6 Bewohner auf der Nagelschmiede aufgelistet. Um 1850 ist ein Jacob Schiner nachgewiesen, dessen Name sich wiederum auf die Einöde übertrug: Schinnermühle. Auch der Pfarrweiher wurde zu dieser Zeit als „Schienerweiher“ bezeichnet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts heiratete ein Aumüller in das Anwesen ein. In der Geburtsurkunde des Sohnes steht als Adresse „Weiherhaus 6“, in anderen Urkunden findet man „Hammergmünd 6“.

Absiedlung für den Truppenübungsplatz
1908 wurde die Nagelschmiede von der Militärverwaltung für den Bau des Truppenübungsplatzes abgelöst. Familie Aumüller siedelte nach Hütten um und nahm den Hausnamen Schiener mit. Vom Truppenübungsplatz ist ein Schriftverkehr mit dem Kriegsministerium zum möglichen Erhalt der Nagelschmiede erhalten. 1911 meldete der Lagerkommandant Bedarf an dem Gebäude an, um dort Absperrtruppen unterzubringen. Er machte den wünschenswerten Erhalt aber abhängig von den Instandsetzungskosten. Das Anwesen war allerdings in schlechtem Zustand, so dass hohe Kosten für eine Sanierung fällig gewesen wären. In dem Schreiben ist außerdem vermerkt, dass das Gebäude zur dieser Zeit noch vermietet war. In einem weiteren Gesuch vom 18. August 1911 bat das Lager schließlich doch um eine Abbruchgenehmigung beim Kriegsministerium. Laut einer Brandschutzversicherung soll das Anwesen noch 3.140 Mark wert gewesen sein. Für die Abbrucharbeiten wurde angeführt, dass eine Ausgleichsböschung angelegt werden müsste, weil das Haus tiefer liege als die unmittelbar vorbei führende Straße. Noch im Jahr 1911 schließlich wurde die Nagelschmiede endgültig abgebrochen.
Heute befindet sich der Standort außerhalb des Truppenübungsplatzes östlich der B299 und nördlich der Einmündung der Hüttener Umgehungsstraße. Die Nagelschmiede lag direkt auf dem heutigen Radweg zwischen Bundesstraße und den kleinen Weihern östlich der Bundesstraße.

             

 

         

 

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