Flussauen, Annaberg und Schönberg, Felsleite und Birka sowie viele Straßenzüge bilden ein grünes Band inmitten von Grafenwöhr. Diese grüne Lunge verdankt die Stadt unter anderem den Pionieren des Heimatvereins vor über hundert Jahren. 1892 schlossen sich engagierte Grafenwöhrer zum „Verschönerungsverein“ zusammen und legten in ihrer Satzung fest, die Stadt zu einer Zierde zu machen. Und so geschah es. Es wurden Bäume gepflanzt, Bänke aufgestellt, Straßenpflasterungen angestoßen und von vielen Veränderungen profitieren die Stadt und ihre Bürger noch heute.

Bereits 1879 wurde der Kreuzweg am Annaberg mit Linden bepflanzt, in den 1880er Jahren folgte mit Linden, Akazien und Maulbeerbäumen die Begrünung der gesamten Südseite des Hügels, in den 1890ern schließlich die Nordseite. Beim Bau der Lourdesgrotte legte der Verschönerungsverein ebenfalls kräftig mit Hand an, ebnete Terrassen, befestigte Wege und schuf das entsprechende Umfeld. Für einen Blickfang sorgte der Verein mit der 1898 angelegten Birkenallee von der Annabergkirche bis zum Galgenberg.

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm man sich schließlich den Schönberg vor, da der Steinbruch dort stillgelegt wurde. Vereinsmitglied Florian Göppl, der Gründer der Löwenbrauerei, ließ nach dem Ersten Weltkrieg auf eigene Kosten die Ostseite bepflanzen. Andreas Hofmann und Hans Siller vom Verschönerungsverein initiierten in den 1920er Jahren den Bau der Naturbühne und etablierten den Festplatz.

Im Ort sorgte der Verein ebenfalls für ein schöneres Stadtbild. Die heutige Kreuzung Pressather Straße / Bahnhofstraße war früher mit Scheunen, Totenbrettern, Misthaufen und im Matsch wühlenden Tieren kein schöner Ortseingang. Der Verschönerungsverein legte 1925 an dieser Kreuzung (dort wo von 1954- 1987 die Shell-Tankstelle stand)  eine bepflanzte Dreiecksanlage an. In der Alten Amberger Straße wurde 1930 gleich nach dem Bau des Postgebäudes eine Pflanzanlage am Postplatz errichtet. Auf der Nordseite erinnert seit 1963 ein Kennedy-Denkmal an die Ermordung des US-Präsidenten. Auch am Friedhof, am Stadtweiher, am ehemaligen TUS-Sportplatz (heute Edeka), in der Neuen Amberger Straße oder an viel genutzten Fußwegen wurden Bäume und Blumen gepflanzt. Einige sind bis heute erhalten, andere durch Beschädigung, die Bombardierung oder Baumaßnahmen verschwunden. 1932 nach fast fünfzig Jahren Verschönerungstätigkeit hatte sich der Schwerpunkt des Verschönerungsvereins mit der Gründung des Museums auf die Heimatpflege verlagert. Und so wurde der Verein in jenem Jahr in Heimatverein Grafenwöhr umbenannt. Nichtsdestotrotz war man sich stets seiner Wurzeln bewusst. Der Schönberg mit Bühne und Hütte sowie die kompletten Wege und der ehemaligem Spielplatz wurden über Jahrzehnte liebevoll  gehegt und gepflegt bis 2015 die Stadt nach der Sanierung die Bühne übernahm.

Da der Verschönerungsverein schon vor über hundert Jahren Anziehungspunkte wie den Annaberg und den Schönberg schuf, wurden diese beiden Erhebungen, im Gegensatz zum Mittelberg oder Birka nicht bebaut und sind den Grafenwöhrern bis zur Gegenwart als Naherholungsgebiete erhalten geblieben. Heute werden alle städtischen Grünanlagen von den fleißigen Helfern der Stadtgärtnerei gepflegt. Zu verdanken sind viele Anpflanzungen jedoch den engagierten Pionieren des Heimatvereins, die mit Herzblut und Weitblick vor über hundert Jahren Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild der Stadt legten. Wir sagen Dankeschön!

 

Die Kreuzung Pressather Straße/Bahnhofstraße im Wandel der Zeit:

 

Baumrechnung des Verschönerungsvereins von 1934

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