15.06.2020

Einen Partner in Corona-Zeiten zu finden ist aufgrund der zahlreichen Schutzmaßnahmen bestimmt nicht einfach. Wie wäre es da mit einem Blind Date? Übrigens ist das keine Erfindung der modernen Zeit.

Im März 1752 war der Stadtknecht Georg Adam Ruf verstorben. Nach wenigen Wochen trat seine Witwe vor den Grafenwöhrer Stadtrat und stellte einen Antrag. Ursula Ruf schlug vor, dass man ihr den Stadtknechtsdienst überträgt, im Gegenzug wird sie dem Stadtrat einen tauglichen Menschen vorschlagen, der Stadtknecht und ihr Ehemann werden sollte. Auszug aus dem Antrag:

„Verleyhung des Statt Knechts Diensts, gegen Anbeurathung eines taugl. Subjekts.“

Sie brachte vor, dass sie durch den Tod ihres Mannes in einen betrübten Stand gesetzt wurde, zumal er ihr noch eine minderjährige Tochter hinterlassen habe. Und die Stadt an der Krankheit und dem Tod ihres Mannes eine Mitschuld trug, da er sich in den letzten Kriegsjahren mit den vielen Botengängen ‚ziemlich herumplagen‘ musste. All die Mühen eines Stadtknechts – Stress würde man heute sagen – war schuld an der Krankheit ihres Mannes.

Die Stadtväter erkannten ihren Antrag an, gaben ihr aber nur zwei Monate, um einen ‚tauglichen Menschen‘ zu finden und zu heiraten. In der Zwischenzeit musste sie die Aufgaben des Stadtknechtdienstes mithilfe eines ‚Knechtls‘ übernehmen.

Im Juni 1752 trat Sebastian Rubner aus Neustadt an der Waldnaab vor den Stadtrat und nahm Bezug auf den Antrag der Stadtknechtswitwe vom April. Ausführlich beschrieb er seinen beruflichen Werdegang und wies auf seine lange Berufserfahrung hin. Der Stadtrat nahm den Antrag Rubners an und verpflichtete ihn noch einmal ausdrücklich zur Heirat der hinterbliebenen Stadtknechtswitwe.

Dieser „Kuhhandel“ war für die damalige Zeit gar nicht ungewöhnlich. Brachte er doch allen drei Parteien einen Vorteil. Die Witwe Ruf kam wieder zu einem Ehemann, der sie und ihre Tochter ernähren konnte. Sebastian Rubner erhielt eine feste und dauerhafte neue Stellung und die Stadt Grafenwöhr hatte einen neuen Stadtknecht und musste nicht für eine verarmte Witwe zahlen. Heutzutage würde man das eine Win-win-Situation nennen.

  

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