16.07.2020

Zu dem Kreuzweg von 1732 gesellte sich 1753 eine kleine Kapelle im Ausmaß von 4,20 x 3,60 m, die schon bald als Gnadenort aufgesucht wurde. Seit 1634 war der Mariahilfberg in Amberg Anziehungspunkt für Wallfahrer, der Grafenwöhrer Annaberg wurde von Gläubigen aus der ganzen Umgebung gerne angenommen, da der Weg nach Amberg doch sehr weit war. Oftmals waren mehr Auswärtige als Grafenwöhrer bei den Sonntagsmessen.  1770 ersuchte die Stadt Grafenwöhr das Ordinariat um die Erlaubnis auch werktags Messen lesen zu dürfen. Die kleine Kapelle hatte sich als Wallfahrtsort etabliert und 200-300 Pilger kamen jeden Sonn- und Feiertag und hinterließen hier Votivtafeln, Wachsfiguren und Krücken von Geheilten. Leider ist seit langem nichts mehr davon erhalten.

Schließlich kam die Erlaubnis aus Regensburg und die Kapelle wurde am 26. Juli feierlich vom damaligen Pfarrer Carl von Brockie benediziert. Die Festlichkeiten sind überliefert und berichten von einer Prozession von der Pfarrkirche am Marktplatz mit Fahnen- und Kreuzträgern, den Knaben und Bürgerpaaren, den Stäben der Corporis Christi- und Skapulierbruderschaft mit Kesselträgern, allen Zünften mit ihren Zunftstangen, der Schützenkompanie mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen und dem Musikantenchor. Schließlich folgte die Geistlichkeit, Beamte, der Magistrat, Bürger- und Bauern vom Umland, ledige Bürgerstöchter mit einem Marienbild, Mädchen und Frauen mit Festkleidung sowie Wallfahrer von auswärts, die bis zu 3 Stunden Fußweg auf sich genommen hatten. Alles in allem waren rund 700 Personen an der Prozession beteiligt. Die feierliche Messe wurde mit Pauken und Trompeten, Vokal- und Instrumentalmusik und beim Gloria, der Wandlung und dem Segen mit Böllerschüssen begleitet. Der Segen wurde mit eigens aus Regensburg eingeführtem Weihwasser gespendet.
Als Patrozinium wurde „Maria hilf“ gewählt, galt der Wallfahrtsort ja auch der Verehrung Mariens und des Gnadenbilds, weshalb der Berg damals „marianischer Berg“ genannt wurde. Wie kommt es, dass heute alle vom Annaberg und der Annabergkirche sprechen? Der Weihetag Ende Juli ist der Namenstag der Heiligen Anna. Von Beginn an gab es ein Annafest mit einem Annamarkt, das jedes Jahr anlässlich der Weihe der Kirche gefeiert wurde. Und das mit wenigen Unterbrechungen bis heute. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bürgerte sich bei der Bevölkerung der Name Annaberg ein. Alte Postkarten und sogar Pfarrer Hofmann bezeichneten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wallfahrtskirche als „Annakirche“.


  
Von der Kapelle zur Kirche –Engel, Gold und ein Baldachin

Wie musste man sich das Kirchlein vorstellen? Die heutige Größe erlangte es erst viel später. Der Zuspruch des Wallfahrtsortes hielt an, so dass man bald nach der Einweihung ein hölzernes Vorhaus mit Kniebänken anbaute, um den Pilgern einigermaßen Schutz vor dem Wetter zu bieten. Trotzdem wurde die Kapelle bereits ein Jahr nach der Einweihung erweitert. Aus Geldnot nutzte man die ursprüngliche Kapelle als Chorraum. Dank vieler Spenden an Handwerksdiensten konnte der Anbau günstig umgesetzt werden. Die Kirchenausstattung nahm nach und nach Gestalt an. Aus der Kapelle war das Gnadenbild vorhanden, eine Nachbildung des Passauer Mariahilfbildes. Ein Grafenwöhrer Bürgermeistersohn hatte es aus Wien mitgebracht. Beschrieben wurde es als Bild in blau marmoriertem, verschließbarem Rahmen mit feinem Tafelglas und einem Schild mit dem Guttäter. Jesus und Maria trugen blecherne Kronen mit Imitatedelsteinen, die Kleidung Mariens war mit silbernen Spitzen und Steinen verziert. Den Rahmen bildeten übersilbertes Laubwerk  und geschnitzte vergoldete Engelsköpfe. 1772 schnitzte ein Bildhauer aus Kemnath  knieende Engel, die das Gnadenbild hielten, aber heute nicht mehr vorhanden sind. 1773 erhält das Gnadenbild einen geblümten kattunen Baldachin mit gelben Bändern und Quasten, wiederum gespendet von Grafenwöhrer Handwerkern. Heutzutage ersetzt ein hölzerner roter Baldachin den Stoff. Wann dieser ausgetauscht wurde ist nicht bekannt. Im selben Jahr schenkte Pappenberg Grafenwöhr seine alte Orgel und der Rößlwirt (heute Zur Post) holte diese mit seinem Fuhrwerk ab. 1780 baute man einen 9 m hohen Turm und bestückte ihn mit zwei 2 Zentner Glocken - gegossen in Amberg, geweiht in Regensburg. Vier Jahre später wurde der Turm um 3 Meter erhöht. 1785 erfuhr die Kirche nochmals eine Erweiterung. Die Steine wurden gleich seitwärts der Kirche gebrochen, um teure Fuhren zu sparen.

Im 19. Jahrhundert drohte der Kirche die Zerstörung, doch dann wurden zahlreiche Änderungen vorgenommen. Mehr im nächsten Gschichterl.

 

 

 
 

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