25.07.2020

Die Einweihung der Kirche „Mariahilf“ am 26. Juli 1770, dem Namenstag der Heiligen Anna war ein Freudentag für die Grafenwöhrer. Deshalb sollte dieser jedes Jahr gefeiert werden und das gilt mit wenigen Unterbrechungen bis heute.

Nach der Festmesse, meist mit einem Festprediger gab es Marktbuden und Bierausschank zur Feier des Tages. Die ersten 15 Jahre wurde immer direkt am 26. Juli gefeiert. 1785 berichtete Pfarrer Andreas Thoma von einer achttägigen Feier zum Einweihungsfest der Kirche am Marianischen Berg. In diesem Jahr gab es auch einen Erlass, das Annafest auf den jeweiligen Sonntag danach zu verlegen, um dem arbeitenden Volke die Teilnahme zu ermöglichen. 1826 wurden die Grafenwöhrer in Form von Ablässen belohnt. Wer das Annafest mitfeierte, inklusive Messe, erhielt einen Nachlass der Sündenstrafen, z.B. weniger Zeit im Fegefeuer. Auch Mitte des 19. Jahrhunderts wurde am Annaberg noch ganze acht Tage lang gefeiert, wie Pfarrer Nagler berichtet: Heute über 8 Tage feiern wir den hohen Festtag der Einweihung unserer Bergkirche oder das anmuthige heilige Mutter Anna Fest. Wird nach 9 Uhr die Predigt und dann das feierliche Hochamt und nach demselben die Prozession gehalten werden“. Bergfeste, die eine Woche lang feiern,  kennt man heute noch im Amberger Raum  z.B. das Mariahilfbergfest in Amberg, das Annabergfest in Sulzbach-Rosenberg, das Fronbergfest in Hahnbach oder das Mausbergfest in Gebenbach. Pfarrer Nagler erwähnt einen besonderen Brauch, der sich in Grafenwöhr bis 1981 hielt. „Am Nachmittag um 2 Uhr ist solemne [feierliche] Lytanei, wobei die Hand der heiligen Mutter Anna zum Küssen gegeben wird“.

Die Reliquienmonstranz mit Mutter-Anna-Hand  

In Vergessenheit geraten sind bedeutende Reliquien der Heiligen Anna in Grafenwöhr. Kreisheimatpflegerin Eleonore Böhm fand im Kirchenarchiv zahlreiche Hinweise darauf und konnte die Geschichte der Reliquienmonstranz, die heute im Pfarrhof aufbewahrt wird, lüften. Dort eingefasst sind zwei Teile des Schleiers der Heiligen Mutter Anna. Diese hatte der Grafenwöhrer Bürgermeisterssohn Oberndorfer bereits 1723 nach Grafenwöhr aus Wien mitgebracht hat. Stifter war dessen Vetter Ernst von Riesenfeld, der in der Grafenwöhrer Geschichte mehrmals als Spender von Reliquien, auch für die Alte Pfarrkirche, auftaucht. Eine weitere Reliquie war ein Partikel des heiligen Kreuzes Christi. Nach Begutachtung durch das Ordinariat in Regensburg wurden die Reliquien zur Verehrung freigegeben, allerdings mit dem Verbot diese in eine Monstranz zu fassen, da dies dem Leib Christi vorbehalten war. Sechs Jahre später kam ein weiteres Reliquiar von Wien nach Grafenwöhr: Die Mutter-Anna-Hand. Sie besteht aus einer schwarzen Hand aus Wachs und ist verziert mit Ringen und Klosterarbeiten. Zusammen mit dem  Schleier der Hl. Anna  und dem Kreuzpartikel wurde sie 1741 trotz Verbotes des Ordinariats in einer Reliquienmonstranz gefasst. Mit Einweihung der Bergkirche am Annatag 1770 hatte man neben dem Patrozinium „Mariahilf“ somit bereits auch eine Reliquie, welche die große Bedeutung der Heiligen Anna für die Grafenwöhrer und die Verschiebung des Namens vom marianischen Berg zum Annaberg erklären könnte. Neben der Reliquienverehrung, die im 20. Jahrhundert vormittags nach dem Heiligen Amt stattfand, ist auch die gesungene Litanei nachmittags zum Annafest nicht mehr gebräuchlich.

 

Geistliche und weltliche Feierlichkeiten

Noch heute wird der Festgottesdienst im Freien über der Gruft gefeiert. Früher war es nur die Predigt, die außerhalb verkündet wurde. Hierfür wurde extra eine Freikanzel angebracht, die heutzutage rechts beim Eingang der Kirche steht. 1898 hatte Pfarrer Hofmann zur Messe im Freien eingeladen, 1921 und 1949 gibt ein Beschluss bekannt, dass das Fest wieder wie im Stil früherer Zeiten – also im Freien- gefeiert werden sollte.

Schon immer gab es, um das Allerheiligste zum Festgottesdienst zu bringen eine Prozession zum Annaberg und auch wieder zurück. 1895 wird auf die strengste Einhaltung der Prozessionsfolge hingewiesen. Eine neuere Tradition ist die Lichterprozession zum Abschluss des Annafestes. Seit 1949 beenden die Grafenwöhrer ihren Festtag feierlich mit Kerzen in der Hand und ziehen zurück zur Pfarrkirche, dabei werden auch die Häuserfenster mit Lichtern geschmückt. Am Marktplatz gibt der Pfarrer dann den Schlusssegen für den langen Festtag. 

Schließlich hatte man ein vielfältiges Programm hinter sich. Nach der Messe vormittags ging es zum Frühschoppen, lange Zeit in den Biergarten des „Goldenen Löwen“ gleich am Aufgang zum Annaberg.
Passend dazu standen am Fuß des Annabergs bei der Löwenbrauerei Marktbuden des Annamarkts mit Süßigkeiten und Kleinkram. Der Hafner Gradl, heute noch Schreibwarengeschäft, verkaufte dort ebenfalls seine Waren, weshalb der Annamarkt bis zum Zweiten Weltkrieg auch „Hafner-Kirwa“ genannt wurde. Aus den fünfziger Jahren sind ein Süßwarenstand, ein Losstand des Roten Kreuzes sowie eine Schiffschaukel nahe den Marktbuden bei der Löwenbrauerei bekannt. Bis 1970 gab es lange Zeit nur einen „Kirwa-Stand“ mit Eis, Pfeffernüssen, Windradln und anderem Spielzeug. Der Stand schloss erst, wenn die Lichterprozession den Berg hinab auf den Marktplatz gezogen war. Laut Karl Wohlgut war das Pfeffernüsslweib überaus beliebt. Es gab den Brauch, dass Paten ihrem Patenkind zum Annafest Lebkuchen spendierten.

Immer schon gab es auch ein Rahmenprogramm zum Annafest. 1913 zeigte der Kinematograph Jean Lindner aus Nürnberg mit seinem wandernden Lichtspieltheater einen Film. Sozusagen, das erste Open-Air-Kino in Grafenwöhr. Nachmittags gab es meistens Konzerte und die Belustigung am Markt. Noch heute ist der Annatag für die Bevölkerung ein Festtag. Hierzu treffen oftmals ehemalige Grafenwöhrer wieder in ihrer Heimatstadt ein und Klassentreffen werden eigens auf den Annatag gelegt. Gemeinsam besucht man dann die Messe und schließlich das Annafest der Feuerwehr im Stadtpark. Nachmittags bummelt man über den Annamarkt am Marktplatz, stattet den Geschäften mit ihren Aktionen einen Besuch ab und gönnt sich noch eine Halbe beim Annafest, bevor die feierliche Lichterprozession den Festtag ausklingen lässt.

Zum 250-jährigen Jubiläum der Benediezierung kann wegen Corona leider nicht weltlich gefeiert werden, Annafest und Annamarkt fallen aus. Das Jubiläum wird dennoch würdig beim Festgottesdienst in der Früh gefeiert. Die Lichterprozession entfällt heuer, den Abschluss des Festtages bildet eine Andacht um 19 Uhr am Annaberg. Vielleicht wartet dort auf die Besucher eine Überraschung...

 

 

 

 

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